ERDÖLMARKT
2008 lag der Durchschnittspreis für Erdöl auf USD 97,26 pro Barrel Erdöl. Dies entspricht einem Preisanstieg um 34 Prozent. Diese Durchschnittszahl kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jahr 2008 durch extreme Schwankungen auffiel. So lag der Preis zum Jahresbeginn bei USD 100 pro Barrel Erdöl, um im Juli auf den Höchstwert von USD 147 pro Barrel Erdöl anzusteigen. Bedingt durch die weltweite Finanzkrise zeichnete sich die zweite Jahreshälfte 2009 dann aber durch einen rapiden Preisrückgang auf rund USD 40 pro Barrel Erdöl aus.
Bis Dezember 2010 konnte sich der Erdölpreis dann aber wieder auf rund USD 90 pro Barrel Erdöl erholen. Der OPEC-Basketpreis für Erdöl stieg im Februar 2011 sogar auf USD 107,20. Derart hoch lagen die Erdölpreise seit 30 Monaten nicht mehr. Als Grund hierfür wird vor allem die wachsende Zuversicht im Hinblick auf die Erholung der Weltwirtschaft genannt. Viele Analysten erwarten sogar einen weiteren Anstieg des Erdölpreises bis zum Ende des Jahres.
So rechnet beispielsweise die Investmentbank Goldman Sachs in ihren „Goldman Sachs Crude Oil Prognosen für 2011“ mit einem Durchschnittspreis von USD 100 pro Barrel Erdöl für 2011. Weitere Einschätzungen gehen davon aus, dass aufgrund der anziehenden Nachfrage in den Schwellenländern China und Indien der Preis bald wieder auf USD 110 pro Barrel Erdöl ansteigen könnte.
Die teilweise starken Preisbewegungen am Erdölmarkt haben viele Ursachen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, also die Menge des geförderten Erdöls einerseits und der weltweite Bedarf andererseits. Hinzu kommen weitere Einflussgrößen: Die Förderdisziplin und Erdöl-Politik des OPEC-Kartells, Reservekapazitäten, die Qualität des jeweiligen Erdöls, die Lager- und Frachtkosten, die Auslastung der Raffinerien und unvorhersehbare Ereignisse wie Naturkatastrophen und Kriege.
So kann auch eine politische Instabilität in den Förderländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, wie Libyen, die Preise weiter antreiben. Auch Naturkatastrophen wie der Hurrikan „Katrina“ Ende August 2005, der Schäden in Milliardenhöhe an den Erdölförderanlagen und Raffinerien am Golf von Mexiko verursachte, haben Einfluss auf die weltweiten Erdölpreise. Von Produktions- und Lieferunterbrechungen sind vor allem die USA betroffen. Kapazitätsengpässe oder Versorgungsängste sind dabei beinahe verlässliche Preistreiber.
Vor allem aber der aktuelle und voraussichtlich zukünftige Verbrauch ist ein wesentlicher Preis bestimmender Faktor.
In 2010 verbrauchte die Asien-Pazifik-Region insgesamt bereits mehr als 31,5 Prozent des weltweit geförderten Erdöls – und dieser Anteil wird sich nach Expertenmeinung in Zukunft drastisch erhöhen. Allein in den Nicht-OECD- Ländern wird bis 2030 von einer Zunahme des Energieverbrauchs um mehr als 68 Prozent ausgegangen.
Mit rund 21 Prozent war die USA in 2010 weltweit der größte Verbraucher von Erdöl, gefolgt von der Volksrepublik China mit ca. 10 Prozent und Japan mit rund 5 Prozent.
Erdöl ist derzeit mit einem Anteil von mehr als 35 Prozent der weltweit am meisten nachgefragte Energieträger. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Bedarf an Erdöl nach einer Phase der Stagnation in den kommenden Jahren wieder deutlich ansteigen dürfte. Die USA setzen dabei weiterhin an erster Stelle auf Erdöl als Hauptenergieträger und haben die notwendigen politischen Weichenstellungen getroffen, die Erschließung eigener Rohstoffquellen zu fördern.
Dabei sind die Erdölvorkommen jedoch begrenzt. So geht BP in seinem aktuellen „BP Statistical Review of World Energy June 2011“ von insgesamt 1.383 Milliarden Barrel nachgewiesenen Erdölreserven aus. Dies wäre unter Berücksichtigung der Fördermengen 2008 ausreichend für mehr als 40 Jahre. Auf der gleichen Basis reichen die Erdgasvorkommen weitere 60 Jahre und die Kohle mehr als 120 Jahre.


